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Science in Society

Michael John Gorman: Inhaber des neuen Lehrstuhls für Life Sciences in Society und Gründungsdirektor des Museums Biotopia

03.03.2017

Auszug aus der LMU Pressemeldung vom 03.03.2017:

Fragen, die das Leben stellt

Die Perspektive wechseln, um die ethischen und sozialen Dimensionen wissenschaftlichen Fortschritts zu hinterfragen: Michael John Gorman, Inhaber des neuen Lehrstuhls für Life Sciences in Society und Gründungsdirektor des Museums Biotopia - Naturkundemuseum Bayern, will für Forschung begeistern und Debatten anstoßen.

gorman_260_webEs ist ein eigentümliches Gefühl, mit den Augen einer Giraffe zu sehen. Wie schwebend blickt man von oben auf die Welt herab. Ein futuristisch anmutender Helm, gestaltet von den Künstlern Denis Connolly und Anne Cleary, erlaubt die ungewohnte Sicht. Michael John Gorman hatte diesen Helm und weitere Tierhelme als künstlerische Leihgabe kürzlich nach München geholt, als die Pläne für das neue Naturkundemuseum Bayern vorgestellt wurden. Für ihn sind Projekte wie jene des Künstlerduos keine Spielerei, sie ermöglichen ihm vielmehr, sein Ziel zu erreichen: die Öffentlichkeit für die Forschung zu interessieren. Dafür setzt er auch auf ungewohnte Perspektiven.

Gorman, Gründungsdirektor des Museums und zugleich Inhaber des neuen Lehrstuhls Life Sciences in Society an der LMU, sieht sich an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. „In den Life Sciences gibt es außergewöhnliche technologische Entwicklungen, die ganz neue ethische und soziale Fragen aufwerfen“, sagt Gorman und nennt als Beispiel die Technologie CRISPR/CAS, mit der sich DNA gezielt schneiden und verändern lässt. Erst im letzten Jahr gewann ein Studierendenteam von LMU und TUM im Rahmen des iGem-Wettbewerbs den ersten Preis auf internationaler Ebene für ein ambitioniertes Bioprinting-Projekt – für Gorman ein Beleg dafür, dass sich München als einer der weltweit wichtigsten Standorte für derartige Technologien etabliert hat.

Wie es gelingt, für Wissenschaft zu begeistern, hat der LMU-Professor in den vergangenen Jahren in Dublin gezeigt. Dort hat Gorman für die Universität, das Trinity College, die Science Gallery aufgebaut. In öffentlichen Ausstellungen und Veranstaltungen hat er Wissenschaft und Kunst zusammengeführt und die Besucher dabei nicht nur mit faszinierenden, sondern mitunter auch provozierenden Themen konfrontiert. In der Ausstellung „Technothreads: What Fashion Did Next“ zum Beispiel präsentierten Künstler Arbeiten mit Zellgewebe. Der Designer Oron Catts stellte „Victimless Leather“ vor, eine Jacke, die er aus lebenden Zellkulturen kreiert hatte. Auch der Performancekünstler Stelarc, über den weltweit berichtet wurde, als er sich ein Ohr in seinen linken Arm transplantieren ließ, war zu Gast. „Ein Künstler wie Stelarc ist ein extremes Beispiel, aber er trägt mit seiner Arbeit dazu bei, eine Diskussion über Human Enhancement und das Verhältnis von Mensch und Technologie anzustoßen“, sagt Gorman.

Ihm liegt daran, dass ein Museum seine Besucher nicht nur intellektuell anregt, sondern auch „eine emotionale Verbindung“ herstellt. „Kunst kann dazu beitragen, wissenschaftliche Themen anschaulich und erlebbar zu machen. Manchmal bringt Kunst die Menschen auch in eine spielerische Situation, die sie dafür empfänglich macht, Neues zu lernen.” Auch im neuen Naturkundemuseum Bayern, das 2023 fertig gestellt werden wird, werden Kunst und Design eine Rolle spielen. Auch Labore, in denen Forschung „live“ erlebt werden kann, sind geplant. Der Name des Museums – Biotopia – ist durchaus als Programm zu verstehen. „Was ist Leben?“, ist ein Schlüsselelement der Dauerausstellung. „Biotopia wird eine völlig neue Art von Museum. Im 19. Jahrhundert waren die klassischen naturwissenschaftlichen Museen reine Sammlungen, man wollte am liebsten die ganze Natur unter einem Dach haben. Wir verfolgen einen völlig neuen Ansatz: Statt das Museum um die Taxonomie herum zu organisieren, wählen wir den Zugang über das Verhalten, das uns die Tür zu den gesamten Lebenswissenschaften eröffnet“. In der Dauerausstellung „Was ist Leben“ werden die Besucher in Themenbereichen, die an ihre Erfahrungswelt anknüpfen wie „Schlafen“, „Essen“ oder „Spielen“ Schritt für Schritt an aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Fragestellungen herangeführt. Ein Thema wie „Fortpflanzen“ soll beispielsweise ermöglichen, den Besuchern auch etwas über Evolution und Genetik zu erzählen.

Zur vollständigen LMU-Pressemeldung